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ARTPROFIL - Zeitschrift für aktuelle Kunst, Heft 6, 2007
 
Komplementäre Wechselwirkung: musikalisch-malerisch/fotografische Suspensionen. Die Bildhaftigkeit als harmonische Korrespondenz zwischen zwei künstlerischen Polen
Thomas Lefeldt: Ein Vexierspiel mit künstlerischen Identitäten
 
Die verschiedenen Facetten einer praktizierten Kunst erwecken im besten Fall eine sich gegenseitig beeinflussende Inspiration. Wenn es um den großen Bereich des Auditiven geht, der strukturell-malerisch seine künstlerische Ausformung findet, so findet dies gerade in der Musik und Malerei eine immense Vielfalt an technischer Umsetzung - und zwar in komplementärer Ausrichtung.
 
Thomas Lefeldt (geboren 1949 in Hamburg und seit 1980 in Kirchzarten bei Freiburg/Breisgau wohnend) ist ein solcher Künstler, der sowohl Musikalisches als auch Malerisches miteinander in Beziehung setzt. Nach Klavier- und Kompositionsstudium an der Musikhochschule Detmold orientierte sich der Künstler neu und beschäftigte sich seit 1970 kontinuierlich mit Malerei und Fotografie.
Neben langjähriger pädagogischer wie konzertierender Tätigkeit und einer intensiven kompositorischen Schaffensphase in den 90er Jahren nimmt die Malerei seit etwa acht Jahren wieder eine zentrale Stellung innerhalb seines künstlerischen Schaffens ein.
Es sind spannende Abhängigkeiten und facettenreiche Bezugspunkte, die Thomas Lefeldts Werke sinnlich charakterisieren und die nach einer temporären inneren Bearbeitung eine künstlerische Umdeutung erfahren. Die strukturell-vielseitigen Materialien wie Sand, Teer, Asche, Pappestücke (oft als formales Gerüst oder Bild im Bild eingesetzt), Makulatur, Textilien werden mit Naturtönen, Weiß und Schwarz [..] kombiniert. Die Malweise ist zwar informell oder zumindest an der informellen Malerei geschult, doch formal organisierter und in Anlehnung an einen gegenständlichen Bezug gestaltet. „Innere Berührungspunkte entstehen immer erst direkt beim Betrachten und können nicht im Vorfeld erzeugt werden”, erklärt der Künstler. Das „Zusammen-Spiel” zwischen Kunst und Musik wird somit weitgehend vom Zufall und einer subjektiv-autobiografischen Sensualität bestimmt. Generell dürfte eine auf vorher festgelegte Analogien intendierte Fasslichkeit eines Werkes - unabhängig ob Musik oder Malerei - scheitern, da Subjektivität und Spontaneität unverzichtbar für die innere Korrespondenz einer bildhaft-musikalischen Harmonie sind. Letztlich sind die Bezugspunkte von beiden künstlerischen Positionen - also Musik und Malerei - als so genannte „Suspensions” (hier auch als Musikwerk) zu deuten: In der Malerei ist dieser Begriff aus der Farbherstellung bekannt, da es sich bei Farben in der Regel um Suspensionen (Aufschwemmungen von feinstverteilten Stoffen in Flüssigkeit) von Pigmenten und Bindemitteln handelt. Thomas Lefeldt arbeitet oft mit Wasser/öl-Suspensionen - es sind keine Emulsionen wie Eitempera, sondern Farbaufschwemmungen, ölfarbenteppiche, die z.B. auf Wasserfarben schwimmen, die sich zusammenziehen oder ausflocken. Gleichzeitig sind seine Werke aber auch im musikwissenschaftlichen Sinne als „Auflösungsfelder” zu sehen, in dem sich Flächen und Strukturen, auch Konflikte, Gegensätze etc. scheinbar ohne Zutun des Malers auflösen, dennoch aber vom unterschwelligen Pulsieren des Machens durchzogen sind und zu formaler Einheit gefasst werden.
Erik Buchheister
Katalog "Zeitgenössische Kunst aus der Regio" - Kunstbestand der Baden-Württembergischen Bank, Freiburg 1994:
 
Hin und wieder trifft man sie, Maler, die auch Musiker sind, Musiker, die malen. Geradezu reflexhaft werden dann Vergleiche gezogen, suchende Blicke und gespitzte Ohren: Ist in diesem Bild nicht etwas von der Musik dieses - selben - Menschen? Hört man aus den musikalischen Kompositionen die malerischen heraus?
Thomas Lefeldt, 1949 in Hamburg geboren, hat ein Klavier- und Kompositionsstudium an der Musikhochschule Detmold absolviert bevor er 1980 nach Freiburg kam, um als Klavierpädagoge und freischaffender Maler zu arbeiten. Er ist Musiker und Maler, und er liebt die Suche nach Vergleichen, Parallelen und Schwerpunkten nicht. Die Musik ist eine Sache, die Malerei eine andere.
 
Ein Zugang zu den Bildern des Künstlers erschließt sich über die von ihm bevorzugten Arbeitsmittel. Teer, Sand, Asche, verschiedene Töne isländischer Lava und getrocknetes Gras gehören zum festen Ensemble der Lefeldt'schen Arbeiten, deren Farbigkeit sich unmittelbar von diesen Materialien ableitet: Es sind Naturtöne, Weiß und Schwarz - erst in jüngster Zeit treten Blau, manchmal Rot hinzu. Schon dieses Repertoire rückt Lefeldts Bilder näher an eine weit gefasste Gegenständlichkeit als an die streng genommene Abstraktion. Der Naturbezug der Materialien und die Art ihrer Behandlung rührt an Gesehenes, auch wenn der Betrachter sich nicht sofort zu erinnern vermag: Zu beiläufig streifte die Struktur eines Waldbodens, der halbverfallenen Mauer hinter dem Garten sein Bewusstsein. Der Künstler hat sie wahrgenommen. Er hat das scheinbar Vertraute genauer und immer wieder betrachtet, bis es sich vor seinen Augen veränderte, zuerst fremd wurde, sich dann als eine eigene Welt, mit eigenen Regeln und Gesetzmäßigkeiten, offenbarte.
 
Besonders in den hellen Bildern ist ein nächster Schritt leicht vollzogen. Sandige Dünen mit vom Wind bewegten Gräsern heben die Bilder schnell über die Struktur hinaus zu den Elementen: Luft und Wasser stecken in den Bildern; und wie die Elemente nach Aristoteles ineinander umwandelbar sind, haben Teer, Asche und die vielfarbige Lava erdige Qualität und tragen doch noch das Feuer in sich.
 
Lefeldt hat in der Konzentration auf winzige Ausschnitte der Erdoberfläche die vier Elemente gefunden.
Kathrin Erggelet
Der Blick auf den Boden
 
Max-Planck-Institut für Immunbiologie Freiburg 1988
 
Der Maler Thomas Lefeldt
 
Thomas Lefeldts Bilder, zur Zeit im etwas abgelegenen Freiburger Max-Planck-Instiut für Immunbiologie zu sehen, sind das Ergebnis einer beharrlichen Spurensuche. Ausschließlich geht es in ihnen um die Erfahrungen und Entdeckungen, die man machen kann, wenn man den Blick intensiv auf den Boden richtet. Erst aus diesem „forschenden” Nach-unten-Schauen, der Konzentration auf das scheinbar Nebensächliche, ergibt sich für den bei Freiburg lebenden gebürtigen Hamburger die Möglichkeit, die „Welt” zum Bild zu formen. Ein mikroskopischer Blick also. Die Wirklichkeit ist bei Lefeldt ein Mikrokosmos aus dunklen, erdigen Brauntönen, trockenen roten Pigmentflecken und krakeligen Schwarz-Lineaturen. Eine informelle Materialcollage. aus Gräsern, Vulkanasche, Sackleinen, aus fetten Schwarzverläufen und verschmutzten Weissbahnen. Ein Schattenreich, in dem unvermischte leuchtende Farben beinahe nicht vorkommen. Das klingt düsterer, als es ist, denn trotz der moll-gefärbten Grundstimmung geht es auf den Bildern des knapp 40jährigen Autodidakten weniger um die Erfahrung des Verfalls, als um eine elementare Neugier: Hier versucht einer herauszufinden, was passiert, wenn man ganz nahe an die Dinge herangeht.
Das kann ungeheuer kraftvoll aussehen, wie auf dem großformatigen „Torso I”, in dem der schwarze Mittelpunkt wie ein aufgerissenes Körperinneres von dem umgebenden Weiß in die Bildecken verspannt wird. Es kann kostbar und sinnlich wirken wie in den kleinen poetischen Collagen aus Gazestreifen, flatterndem Weiß und dezenten Rottupfern, oder auch irritierend doppelbödig. Nur manchmal - und am häufigsten bei den neuen Bildern - spürt man eine gewisse Beliebigkeit. Da scheint es, als habe den Maler sein sonst so genauer und geduldiger Blick verlassen. Statt dessen gibt es plötzlich sehr viel Farbe, Blau und Violett, mächtig massiv, aber inhaltlich einfach nicht ganz bewältigt, und eine Bildkonstruktion, die die sonst so souverän beherrschte Balance zwischen „gespannter” Organisation und fließender Auflösung zugunsten einer gefälligeren Eindeutigkeit aufgibt.
Tobias Mauthe
Badische Zeitung, 14. September 1985:
 
Schwarz, nicht als Abdeckung, sondern als Kontrast zu Flächen und Formen, die schließlich in einem krassen Weiß ihren Höhepunkt finden, dominiert auch im Werk von Thomas Lefeldt, der in der der alten Evangelischen Kirche in Kirchzarten seine Gemälde vorstellt. Von der Musik herkommend, eröffnen sich für ihn mit dem Medium Malerei neue Aussagemöglichkeiten. Losgelöst von gegenständlichen Vorlagen, hat er sich dem Primat der Farben verpflichtet, die er in der Auswahl begrenzt, in der Wirkung aber durch die Arbeit mit spannungsgeladenen Kontrasten und durch eine „wilde” Maltechnik beinahe ins Explosive steigert.
Die Kombination der Materialien, von Öl- über Acrylfarben, Bleistift, Kreide bis zum Bitumen sowie die mit Papier beklebte Leinwand verleihen den Bildern einen faszinierenden, mitunter beunruhigenden Charakter.
Marion Kouremetis
Badische Zeitung, 15. September 1985:
 
Thomas Lefeldt stellt im Kunstverein Kirchzarten aus
 
Lefeldts Kunstrichtung ist die informelle Malerei: Seine Kunst ist gegenstandsfrei, versucht nicht, anhand einer allgemein verständlichen Symbolik etwas Bestimmtes auszudrücken. Seine Gemälde werden durch den Rhythmus und die Struktur ineinander greifender Flecken und Linien geprägt.
Schwarz, Weiß und Grauschattierungen dominieren in Lefeldts Bildern. Nur hin und wieder schimmern Ocker, Braun oder Rot durch, manchmal weist das Grau eine bläuliche Tönung auf. Der Künstler arbeitet zumeist mit Acrylfarben, die er mit Pigment-, Ölfarben, Blei, Kreide oder Bitumen kombiniert. Fast alle Bilder haben eine bewegte Oberflächenstruktur, die durch Aufkleben von Materialien wie Stoff, Kordeln oder Knöpfen oder aber durch Auftragen und Modellieren dicker Farbschichten entstanden ist. Die dreizehn ausgestellten Kunstwerke wirken vorwiegend düster: Schwere schwarze Flächen drücken auf den helleren Teil eines Bildes, grelles Weiß sticht aggressiv zwischen zwei dunklen Flächen hervor, wirre Linien überziehen gleich Spinnenarmen oder bedrohlichen Rinnsalen, aber auch gleich Wurzeln oder Wegen in einer von oben betrachteten Landschaft die scharf voneinander abgesetzten oder verschwimmend ineinander übergehenden verschieden schattierten Farbflecken.
Dass in den Bildern nichts begrifflich Erfassbares ausgedrückt werden soll, dass der Malvorgang selbst den Charakter des Bildes fast stärker prägt als die Vorplanung, so dass die Komposition einer Intuition einem kaum nachvollziehbaren subjektiven Erleben im Moment des Gestaltens entspringt, erschwert die Beschreibung der Gemälde. Der Betrachter von Thomas Lefeldts Bildern ist stets versucht, bekannte Formen (einen Baum, eine menschliche Gestalt, einen Tierkopf) herauszulesen und durch die eigene begriffliche Interpretation dem Bild eine Bedeutung abzugewinnen, die der Maler nicht oder zumindest nicht ausdrücklich hineingelegt hat. Vielleicht liegt gerade darin jedoch der Reiz dieser Malerei: Dem Künstler ist schwer auf die Spur zu kommen, jeder Betrachter kann dafür selbst aus dem Bild herausholen, was er darin sucht, und wird so beim Anschauen zu eigener Kreativität angeregt.
sis

 
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